Apropos sorbisch lernen mit modernen Methoden. Ganz zentral ist die Idee des „verständlichen Inputs“: Es gilt, das Gehirn mit massig Material zu füttern, um es unbewusst für sprachliche Regeln zu trainieren. Also, sich zu vertiefen und möglichst viel in der Zielsprache zu lesen, zu hören oder zu schauen.
Nun herrscht bei Bewegtbild-Material in den niedersorbischen Medien größtenteils Ebbe. Es gibt zwar eine monatlich erscheinende TV-Sendung in niedersorbischer Sprache. Für Lernende hat „Łužyca“ jedoch ein großes Manko: Sie ist deutsch untertitelt. Und die Untertitel lassen sich nicht abschalten.
Buchautor Gabriel Wyner erklärt das Problem folgendermaßen:
DVDs von Filmen und Serien haben meist Untertitel auf Englisch oder in der Zielsprache – aber lass sie lieber weg. Das Problem ist: Lesen fällt uns leichter als Zuhören. Wir nehmen mehr mit den Augen auf als mit den Ohren, und wenn Untertitel da sind, trainieren wir unser Hörverstehen kaum. Ein Film mit englischen Untertiteln wird so zur illustrierten Geschichte mit fremdsprachigem Hintergrundrauschen – für unsere Zwecke bringt das nichts. Klar, du hörst vielleicht ein paar Stunden Französisch oder Spanisch, aber wirklich zuhören tust du nicht. Stattdessen liest du einfach die Handlung mit.
Klar kann man die Hand oder ein Stück Pappe vor den Monitor oder den Fernseher halten. Es geht aber auch etwas eleganter:

Dass dieser Umweg nötig ist, zeigt das eigentliche Problem: Technisch wäre es längst lösbar. Seit Jahrzehnten gibt es Standards, um Untertitelspuren ein- und auszublenden. Dass man das wenige verfügbare audiovisuelle Material in Niedersorbisch mit eingebranntem Text überzieht, ist mir unverständlich.
Doch nicht nur die technische Umsetzung, sondern auch das ganze Untertitel-Konzept ärgert mich. Denn hier ist das Deutsche die Norm, es steht über dem Sorbischen, was einer dezidiert niedersorbischen Sendung nicht gut zu Gesicht steht. So werden deutschsprachige Sprecher gar nicht untertitelt, fremdsprachige Interviewpartner lediglich auf deutsch. Damit sind auch alle, die kein Deutsch beherrschen, außen vor.
Dass eine niedersorbische Sendung ihre eigene Zielgruppe zwingt, Deutsch zu lesen, könnte man spitz als institutionelle Demütigung lesen: Selbst in euren eigenen Medien müsst ihr euch dem Deutschen beugen.