Einen großen Teil meiner Vorfahren konnte ich noch nicht zurückverfolgen, aber zumindest der mir bekannte Teil meiner Sippe kommt komplett aus der Lausitz.
Zum Beispiel meine Urgroßeltern: mütterlicherseits stammen sie von der Wuseńka bei Jabłońc (Gablenz) und aus Slěpo (Schleife), väterlicherseits aus Bórkowy (Burg/Spreewald), Wjerbno (Werben), Huštajn (Wüstenhain) und Husoka (Märkischheide bei Vetschau). Die Namen: Metko, Morkisch, Nagorka, Jakubik, Ballaschk, Kappo, Gubatz, Jähnchen – ausnahmslos wendische Namen.
Dies war auch die letzte Generation, in der auch noch sicher wendisch gesprochen wurde, wenn auch nicht von allen. Meine Großeltern sind alle Anfang bis Mitte der dreißiger Jahre geboren worden, das Wendische war da im Allgemeinen auf einem neuen Tiefpunkt angelangt und in meiner Familie wurde es recht erfolgreich ausgerottet. Ein paar interessante Relikte haben sich aber erhalten.
In der gesamten Gegend gibt es mitunter die Tendenz, Artikel wegzulassen. Außerdem geht man „auf Arbeit“ (na źěło), nicht „zur“ oder gar „in die“ Arbeit. Und was anderswo „Eierkuchen“ heißt, nennen die Lausitzer natürlich überall „Plins“, darüber müssen wir gar nicht reden.
Andere kulinarische Dinge sind mir nur in der Familie begegnet. Letztens erst habe ich verstanden, dass es für die Kartoffel-Kraut-Pampe, die im Familienzweig aus der Muskauer Gegend „Brambade kal“ hieß, tatsächlich auch ein Rezept und einen Wörterbucheintrag gibt. „Brambody kał“ also eigentlich. Zum familiär überlieferten Namen des Gerichts passt, dass die Dialekte in der Mittellausitz das „ł“ wie ein „l“ aussprechen und nicht wie ein „w“.
Was woanders vielleicht lediglich kleine, runde Pflaumen sind, heißt bei uns „Tenken“, oder besser gesagt, „tenki“. Daraus lässt sich tolle Marmelade kochen oder aromatischer Likör ansetzen.
„Bomse“ hielt ich lange für Kindersprache, ist aber schlicht das wendische, wenn auch deutsch entlehnte Wort für „Bonbon“.
Katzen ruft man „hajt, hajt, hajt“. Und für die weiblichen primären Geschlechtsmerkmale hat sich das Wort „Kähnel“ überliefert, wörtlich übersetzt „cołnik“. Wer schon einmal ein Weberschiffchen (auch „cołnik“) gesehen hat, kann vielleicht auch erahnen, wie es zu der Begriffsübertragung kam.